Freitag, 9. Dezember 2011

Wir hau'n die Pauker in die Pfanne!


Die Lümmel von der ersten Bank, Teil 5

Zufällig treffen Pepe und Marion Nietnagel auf dem Flughafen den Zwillingsbruder von Direktor Taft. Dieser, das sprichwörtliche "schwarze Schaf der Familie", hat noch eine Rechnung mit seinem Bruder offen, die er - jetzt, wo er nach vielen Jahren wieder etwas über ihn gehört hat - begleichen will. Natürlich läuft dies auf einen großen gemeinsamen Streich hinaus, den die Lümmel zusammen mit dem wahrlichen "Doppelgänger" des Direktors planen...
Und tatsächlich erreicht den konservativen Direx bald darauf die Nachricht, sein Bruder sei gestorben und hätte ein reichlich sonderbares Testament hinterlassen. Wie er, Gottlieb Taft, nun die fiesen Klauseln des letzten Willen erfüllen muss, ist ebenso eine ansehnliche Geschichte wie auch die Beziehung, die sich zwischen Marion Nietnagel und dem Reporter Hubert Böhm anbahnt. Wie diese beiden Abenteuer ausgehen, das weiß natürlich auch der Oberlümmel Pepe noch zu beeinflussen - und so kommt es bald nicht nur zu dem Amoklauf eines Affen im Mommsen-Gymnasium, sondern auch zu einem Pistolenduell auf Leben und Tod!

Die Streiche

Der unsichtbare Dr. Knörz
Um sich vor der Lateinarbeit zu drücken, plant die 12a einen ganz besonderen Streich: Sie wollen den "Knörzerich" einfach ignorieren. Er ist Luft für die Klasse. Wenn er etwas sagt, so wird dies nicht zur Kenntnis genommen. Wenn er einen Schüler schüttelt, so tut dieser so, als würde er von Pepe "angefasst". Und vor der Nase des Professors sagen sie: "Wenn er in fünf Minuten noch nicht da ist, müssen wir es dem Direktorat melden." Knörz und Taft halten dies wiederum für eine von Knörz' typischen Halluzinationen.

Der Glastür-Streich
Im Flur soll eine Glastür eingebaut werden. Die große Glasscheibe steht dort bereits herum. Während Knörz noch beim Direktor weilt, tragen es die "Lümmel" ins Klassenzimmer und als Knörz schließlich wiederkommt, drücken sie es fest gegen den Türrahmen. Er sieht die Glasscheibe nicht und läuft mit voller Geschwindigkeit dagegen. Zu Direktor Taft läuft er mit den Worten: "Herr Direktor, Herr Direktor, ich bin gegen eine unsichtbare Wand gerannt!"

Der Testaments-Streich
Im Flughafenrestaurant treffen Pepe und Marion Nietnagel auf Direktor Tafts Zwillingsbruder, der gerade aus Afrika zurückgekehrt ist. Da er mit seinem Bruder noch eine Rechnung offen hat, plant der "falsche Taft" zusammen mit den zwei Nietnagels einen Plan, um dem "verkackten Direktor" eine Lektion zu erteilen: Ein Testament, für dessen Gültigkeit er mehr oder minder fiese Bedingungen erfüllen muss. Dieser Streich, gleichsam das Leitmotiv des Films, zieht einige Folgen nach sich, die als einzelne Streiche aufgelistet sind.

Der Streich mit dem Affen
Als Direktor Taft und seine Frau ihr im Testament erwähntes Pflegekind von der Quarantäne-Station abholen, müssen sie entsetzt feststellen, dass es sich um einen Affen handelt. Doch um an das versprochene Geld zu kommen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihn aufzunehmen. Taft überträgt Bloch die Aufsicht über "Sarah", den Schimpansen. Doch als dieser sie einen Moment aus den Augen lässt, läuft sie kreuz und quer in der Schule Amok...

Szenenfoto aus "Wir hau'n die Pauker in die Pfanne!"
Der betrunkene Direktor
Damit er eine weitere Forderung des Testaments erfüllt, versucht Oberstudiendirektor Taft, für drei Wochen hinter Gitter zu kommen. Den ersten Versuch startet er als betrunkener Autofahrer. Doch auf der Wache "drückt man ein Auge zu" mit dem bekannten Direx.

Der Angler
Versuch Nummer 2 ist ebenfalls vergebene Liebesmüh': Direktor Taft probiert sich an Wilderei, indem er vorgibt, zu angeln, wo Angeln streng verboten ist. Doch der Wachtmeister, der das Vergehen sofort bemerkt, nimmt ebenfalls sogleich zur Kenntnis, dass es sich um einen gekauften, bereits toten und noch dazu einen Meeresfisch handelt.

Der Schaum-Streich
Der Ministerialrat Gründlich hat seinen Besuch angekündigt. Blaumeier muss sofort ins Direktorat kommen, um den Empfang vorzubereiten. Bloch soll solange die Aufsicht über den chemischen Versuch in der 12a übernehmen. Nachdem Pepe ihm verschiedene Anweisungen gegeben und dabei einen Papierkorb in Brand versetzt hat, entstehen bei dem Experiment Unmengen von Schaum. Als der Ministerialdirektor, inzwischen angekommen, mit Taft und Blaumeier in Richtung Chemiesaal gehen wollen, quillt ihnen ein riesiger Schaumberg entgegen...

Der Dieb der Büstenhalter
Versuch Nummer 3 als drittes Scheitern: Der Direktor versucht, durch Diebstahl an seine Freiheitsstrafe zu gelangen, doch bemerkt nicht, dass der Büstenhalter, den er mitgehen lässt, ein Gratis-Geschenk ist.

Das Duell
Endlich wandert der Direktor in den Knast! Nachdem er sich mit Pepe duelliert und die Polizei eingegriffen hat, wird er (sie schossen mit Platzpatronen) wegen Irreführung der Behörden und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt. Beim Absitzen seiner Strafe gerät er jedoch an einen "schweren Jungen"...

Der Tonband-Streich
Die Lümmel drehen nun den Spieß des ersten Streichs um. Auf Tonband nehmen sie ihre Stimmen auf: "Guten Morgen, Herr Professor!" und einige Antworten auf dessen Fragen. "Können wir ein Fenster öffnen, die Luft ist so stickig?" - "Geht es Ihnen nicht gut, Sie sehen ganz bleich aus!"... Als Knörz schließlich den Raum betritt, werden die Tonbänder von den Zwölfern im Flur eingeschaltet. Professor Knörz hört die Stimmen - aber er sieht die Schüler nicht! Völlig aufgelöst läuft er zum "Direktor". Doch als Tafts Zwilling, der sich inzwischen in der Schule eingefunden hat, ihn in die Klasse begleitet, sitzen die Schüler wieder auf ihren Plätzen. Aber Taft tut nun so, als würde er die Schüler nicht sehen, als seien sie tatsächlich nicht da. Knörz, der die "Schülerin nun sogar fühlen kann", ist einem Nervenzusammenbruch nahe.

Der Brathering-Streich
In der Englisch-Stunde stellt Pepe die "Knörzerowa" auf die Probe. Er gibt vor, dass er gerade ein Buch von Truman Capote im Original lese und von einem Wort nicht wisse, wie man es denn ausspricht. Er bittet darum, es an die Tafel schreiben zu dürfen. Er schreibt das Wort "Brathering" an die Tafel und Frau Knörz meint, es sei doch ganz einfach, er solle sich schämen. Das Wort hieße "bräsering". Nietnagel erwidert daraufhin, er hätte bereits gedacht, dass man das Wort "Brat-Hering" heißen würde.

Filmkritik

Es liegt jetzt nicht direkt daran, dass ich mich mit diesen Geschöpfen besonders identifizieren kann, aber irgendwie haben Filme, in denen Affen eine tragende Rolle spielen, bei mir schon einen gewissen Bonus zu verzeichnen. Das war bei "King Kong" so und das ist auch so bei Teil 5 der Reihe "Die Lümmel von der ersten Bank".

Der arme Oberstudiendirektor Taft hat's nicht leicht: Zuerst erfährt er, dass sein (nicht gerade innig geliebter) Zwillingsbruder Gotthold Emmanuel verstorben ist und dann bekommt er auch noch Auflagen gemacht, nach deren Erfüllung er erst das Erbe (1 Million DM für das Mommsen-Gymnasium und 250.000 DM für Taft persönlich) erhält... Und wie sollte es auch anders sein: hinter diesem "Testament" stecken gemeinsam mit dem doch nicht verstorbenen Zwillingsbruder die Lümmel von der ersten Bank…

"Wir hau'n die Pauker in die Pfanne!" wartet wieder mit einigen netten Einfällen auf, die auch in den meisten Fällen gekonnt umgesetzt wurden. Die Souveränität der humoristischen Inszenierung, den die Filmemacher in den vier vorangegangenen Filmen aufbauen konnten, merkt man dem gesamten Film an. Nicht nur die Streiche - hier sei allen voran der "Unsichtbarer Dr. Knörz"-Streich gleich zu Beginn des Streifens genannt - haben nichts an ihrer Originalität eingebüßt und können dadurch überzeugen. Auch das Drumherum passt, man hat sich wieder aus den Tiefen eines "Hurra, die Schule brennt!" heraus retten können. Das "Pflegekind" der Familie Taft - der Schimpanse - sorgt dabei bei Groß und Klein für einige Extra-Lacher, durch die der Film flüssiger und angenehmer erscheint.

Hansi Kraus, Hans Terofal und Theo Lingen in "Wir hau'n die Pauker in die Pfanne!"
Da der Fokus in diesem Teil der Reihe hauptsächlich auf Direktor Taft liegt, ist an dieser Stelle vor allen Dingen Theo Lingen für seine schauspielerische Top-Leistung (nicht nur in diesem Teil, sondern in allen "Lümmel"-Filmen) hervorzuheben: Verzweiflung, kindliche Freude, Trauer, Empörung - er ruft wieder einmal alles, was ihm die Rolle abverlangt, erstklassig ab. Hansi Kraus und seine Lümmel rücken natürlich durch den Schwerpunkt auf ihren Ober-Pauker zusehends in den Hintergrund, was zwangsläufig weniger Platz für Schülerstreiche einräumt, aber für dieses kleine Manko sollen dann schließlich die letzten beiden Teile "Morgen fällt die Schule aus" und "Betragen ungenügend!" entschädigen können. In einer Nebenrolle dürfen wir dann auch noch Fritz Wepper als Dandy Hubert Böhm begrüßen, der - jawoll - natürlich direkt mit Pepes Schwester Marion anbandelt. Schon irgendwie bemerkenswert, wie viele Verehrer Frau Glas in dieser Filmreihe verschlissen hat!

Aber es ist jetzt nicht an der Zeit, einen auf Moralapostel zu machen und das Liebesleben einer Marion Nietnagel zu durchleuchten (wenngleich dies mit Sicherheit interessant sein könnte), sondern ich schreite dann (vorerst) lieber
frisch, fromm, fröhlich, frei
ans abschließende Werk - das Fazit: "Wir hau'n die Pauker in die Pfanne!" - dieser Titel passt irgendwie nicht so ganz, denn hier wird eigentlich niemand so richtig in die Pfanne gehauen (abgesehen vom armen Oberstudiendirektor Taft), aber darüber sollte man getrost hinwegsehen. Der fünfte Teil der "Lümmel"-Filmreihe ist der wohl harmloseste, aber dadurch nicht zwangsläufig schlechteste Teil: Ich ordne "Wir hau'n die Pauker in die Pfanne!" einfach einmal im Mittelfeld der gesamten Reihe ein; über weite Strecken amüsant, leider nicht so bissig wie manch anderer "Lümmel", aber für gediegene Familienunterhaltung ist bestens gesorgt! Ein typischer Sonntagnachmittags-Film!

Gastautor: Michael Olk

Cast und Crew

Einweg-Werbematerial.
Rechte bei Constantin Film /
Euro Video.
Regie: Dr. Harald Reinl. Regie-Assistenz: Charles M. Wakefield. Drehbuch: Georg Laforet (d.i. Franz Seitz). Kamera: Peter Reimer. Kamera-Assistenz: Hannes Fürbringer. Bauten: Heinz Eickmann. Ton: Heinz Pusl. Kostüme: Eva Gall. Masken: Josef Coesfeld, Hedy Polensky. Schnitt: Hermann Haller. Musik: Rolf Wilhelm. Titelschlager von Friedel Berlipp und Tilo von Stolzenau, erschienen auf Cornet-Schallplatten. Aufnahmeleitung: Friedrich Karl Grund. Titelvorspann: Marlene Neckermann. Produktionsleitung: Georg Föcking. Drehzeit: 19. März bis 04. Mai 1970. Atelier: München. Außenaufnahmen: Baden-Baden, München, Lindau, Offenburg. Standfotos: Karl Reiter. Produktionsfirma: Franz Seitz, München und Terra Filmkunst GmbH, Berlin. Produzent: Franz Seitz. Erstverleih: Constantin-Film, München. Weltvertrieb: Export Bischoff & Co. GmbH, München. Länge: 2318 Meter. Filmdauer bei Kinoprojektion (24 Einzelbilder pro Sekunde): 85 Minuten. Filmdauer bei Fernsehprojektion (25 Einzelbilder pro Sekunde): 81 Minuten. Format: 35 mm; Farbe (Eastmancolor), 1:1.33. FSK: 29. Juni 1970; 42428; 6 nff. Uraufführung: 08. Juli 1970, Favorit, Baden-Baden.

Die Personen und ihre Darsteller:
Direktor Taft: Theo Lingen. Pepe Nietnagel: Hansi Kraus. Marion Nietnagel: Uschi Glas. Hubert Böhm: Fritz Wepper. Studienrat Knörz: Rudolf Schündler. Studienrat Blaumeier: Balduin Baas. Studienrätin Knörz: Ruth Stephan. Pedell Bloch: Hans Terofal (d.i. Hans Seitz). Fräulein Schmitz: Monika Dahlberg. Notar Munk: Karl Schönböck. Frau Taft: Doris Kisow. In weiteren Rollen: Kristina Nel, Jutta Speidel, Darko Popvtschak, Peter Geigner, Michael Riffelmacher, Schimpanse Sammy junior aus dem Zirkus Sarrasani u.v.a.

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