Freitag, 9. Dezember 2011

Morgen fällt die Schule aus


Die Lümmel von der ersten Bank, Teil 6

Auf einer Hollandreise wird Herr Nietnagel beinahe von einem Dieb um einen Koffer mit wichtigen Dokumenten erleichert. Der junge Piet van Dongen kann das Schlimmste gerade noch verhindern und dem Langfinger den Koffer abluchsen. Als Dank lädt Vater Nietnagel Piet nach Baden-Baden ein, ohne jedoch zu wissen, dass der Holländer ebenso wie Pepe nur Flausen im Kopf hat. Die Lehrer am Mommsen-Gymnasium haben es nun doppelt schwer, denn Pepe hat sich nicht nur verpflichtet, regelmäßig einen "Scherz der Woche" durchzuziehen - auch Piet setzt den Steißtrommlern mächtig zu.
Als er in der Wohnung des Direktors aber einen Wasserschaden von fast 1000 DM verursacht, suchen die beiden "Lausejungs" nach einem Weg, die Summe zurückerstatten zu können. Da kommt Pepe die grandiose Idee: Würde nicht jeder Schüler des Mommsen-Gymnasiums eine Mark bezahlen, wenn an einem Tag die Schule ausfällt?

Die Streiche

Hansi Kraus in "Morgen fällt die Schule aus". Dieses Bild wurde zur Verfügung gestellt von EuroVideo.
Der Luftballon-Streich
Als "Scherz der Woche" gießt Pepe einen Luftballon mit Beton aus und legt ihn vor der Lateinstunde bei Professor Knörz direkt vor dessen Lehrerpult. Angekommen, verlang Knörz schließlich von Nietnagel, er solle den Luftballon wegräumen. Nietnagel: "Das ist kein Luftballon." Es entbrennt eine Diskussion darüber, ob es sich bei dem betreffenden Objekt um einen Luftballon handelt oder nicht, an deren Ende Professor Knörz entnervt mit dem Fuß gegen die rote Kugel tritt und sich dabei eine mehr oder minder schwere Verletzung zuzieht.

Der Streich mit der Tür
Pepe, der wegen des vorangegangenen Streiches ins Lehrerzimmer beordert wurde, schließt die Tür desselben beim Verlassen des Raumes ab. Der Direktor läuft ihm aufgebracht hinterher und stößt gegen die verschlossene Tür, woraufhin er mit dem Kopf durch das Holz bricht und stecken bleibt. Knörz, die Sekretärin und Bloch versuchen, den Direktor zu befreien, wobei jedoch nur einige weitere Missgeschicke passieren.

Der Bierflaschen-Trick
Nietnagel wettet mit Dr. Blaumeier, dass er ihm eine Flasche Starkbier mit der Öffnung nach unten in die Hosentasche stecken kann und begründet dies mit einigen windigen physikalischen Behauptungen. Blaumeier fällt auf den Trick herein und durchschaut Nietnagels wahre Absicht erst, als sich seine Hose braun färbt...

Der Türklinken-Streich
Vor der Stunde lockert Piet van Dongen die Türklinke seines Klassenraumes. Als dann Oberstudienrat Geis, erzürnt wegen des Radaus der Klasse, die Tür "zackig" zu öffnen versucht, prallt er unglücklich zurück! Zu allem Überfluss kommt die ganze Klasse später gemeinsam aus dem Raum herausgestürmt und überrennt Direktor Taft.

Der Listen-Streich
Im Unterricht von Professor Knörz wird in der Klasse recht offensichtlich ein Zettel herumgegeben, der verständlichweise das Misstrauen des Lehrers weckt. Als er ihn schließlich konfisziert, muss er feststellen, dass es sich lediglich um eine "Spendenliste" anlässlich seines 60. Geburtstags handelt.

Der Streich mit dem Fernsehgerät
Zum 60. Geburtstag schenkt die Klasse Professor Knörz einen Fernseher. Allerdings bringen Pepe und Kumpanen zunächst eine Atrappe in die Wohnung, die beim Einschalten explodiert. Zur Linderung des Schreckens erhält der Professor aber anschließend das echte Gerät sowie ein rührendes Geburtstagsständchen.

Der Tafel-Streich
Nietnagel soll im Deutschunterricht an der Tafel die Antworten auf eine Frage notieren, malt jedoch eine Karikatur von Dr. Geis an die Tafel. Daraufhin werden die Schüler mit Dartpfeilen auf das Bild und Dr. Geis verlässt entsetzt die Klasse.

Petri heil!
Als Geis mit Taft im Schlepptau in die Klasse zurückkehrt, wurde schon der Streich der Woche vorbereitet. Ahnungslos tappen die beiden Lehrer in die Falle und landen in einem Netz, dass über der Tür aufgehängt wurde.

Der Wasser-Streich
Während die Klasse einen Direktoratsarrest absitzen und einen 10-seitigen Aufsatz verfassen muss, verschafft sich Piet van Dongen unter dem Vorsatz, eine Wasserleitung im Badezimmer reparieren zu wollen, in die Wohnung Direktor Tafts ein, die direkt über dem Klassenraum der 13a liegt. Dort manipuliert er solange, bis das Badezimmer unter Wasser steht und der Arrest der Klasse abgebrochen werden muss.

Der Lehrerausflug
Als Frau des Busfahrers verkleidet, fährt Pepe mit auf den Lehrerausflug und lässt keine Gelegenheit aus, die Pauker bloßzustellen. Alles gipfelt darin, dass der Busfahrer den Lehrkörper mitten im Wald aussetzen und die Lehrer sich ein Dach überm Kopf suchen müssen. Die Jagdhütte, die Nietnagel "zufällig" aufstöbert, kommt da gerade gelegen. Da sie seinem Vater gehört, geht Nietnagel zur Polizei und behauptet, er hätte gesehen, wie eine Gangsterbande in die Hütte eingebrochen wäre. Daraufhin wird der komplette Lehrkörper verhaftet und die Schule fällt am darauffolgenden Montag auch aus...

Filmkritik

Schon wieder Heintje? Ja, schon wieder Heintje! Nachdem das Goldkehlchen bereits in den unsäglichen "Zum Teufel mit der Penne" und "Hurra, die Schule brennt!" Kurzauftritte irgendwo zwischen erster und letzter Bank zu verzeichnen hatte, schrieb Drehbuchautor Georg Laforet den heranwachsenden Sängersknaben in eine etwas größere Rolle. Wer jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und sich schon die schlimmsten Erwartungen zurecht legt, den kann ich an dieser Stelle beruhigen: So schlimm wie in den beiden zuvor genannten Teilen ist Heintje in "Morgen fällt die Schule aus" keineswegs zu bewerten.

Hansi Kraus in "Morgen fällt die Schule aus"
Denn auch durch ihn entwickelt sich natürlich ein wahres Feuerwerk an originellen Schülerstreichen, die mitunter schon eine etwas derbere Gangart an den Tag legen, als es noch in den vergangenen Filmen der Fall war: Da wird dann mal prompt die Wohnung von Oberstudiendirektor Taft unter Wasser gesetzt, Dr. Knörz muss zunächst mit einem Betonluftballon Bekannschaft machen, ehe ihm ein Fernsehgerät um die Ohren fliegt und letzten Endes muss das gesamte Lehrerkollegium eine Nacht in Polizeigewahrsam verbringen... Wer sich noch beim Ansehen von "Wir hau'n die Pauker in die Pfanne!" darüber beschwert hat, dass zu wenig "Action" geboten wird, kommt durch die Zusammenarbeit des Duos Hansi Kraus und Heintje wieder voll auf seine Kosten! Und auch für den eher emotionalen Menschen ist diesmal wieder etwas dabei: Nein, keine Liebesgeschichte zwischen junger Frau und älterem Lehrkörper, sondern der 60. Geburtstag vom Knörzerich sorgt dafür, dass die Lümmel sich auch einmal von ihrer ganz menschlichen Seite zeigen dürfen. Da könnte man glatt in Versuchung geraten, gemeinsam mit Dr. Knörz ein kleines Freudentränchen zu verdrücken. Leider wurde die wundervolle Ruth Stephan als Frau Dr. Knörz durch Eva Maria Meineke ersetzt, die dieser Rolle irgendwie nicht die charmante, verschrobene Art der alten Jungfer entlocken konnte wie es ihre Vorgängerin noch getan hatte.

Neben dem über weite Strecken (für einen deutschen Klamaukstreifen) temporeichen Vorantreiben des Geschehens fällt noch ein weiterer Aspekt positiv auf: Der "Störfaktor" Musik ist bei weitem angenehmer ausgefallen als man es zu Beginn eventuell vermuten könnte. Zwar findet Heintje bei all den sich förmlich überschlagenden klamaukigen Szenen immer noch Gelegenheit, sich musikalisch einzubringen, aber - ja, jetzt könnt ihr mich ruhig lynchen - hier finde ich sogar ein Stück weit Gefallen daran. Die Einbindung der Gesangseinlagen Heintjes wirkt in "Morgen fällt die Schule aus" bedeteund runder und angenehmer als noch in "Hurra, die Schule brennt!", und auch Heintjes Schauspiel kann man noch gerade so als "ordentlich" bezeichnen.

Genauso ordentlich erscheint dann auch "Morgen fällt die Schule aus" im Gesamteindruck. Inhaltlich aufgeräumt trotz überbordenden Klamauks, urkomisch und vor allen Dingen so
frisch, fromm, fröhlich, frei
wie man es sich von einem Lümmel-Film wünscht!

Gastautor: Michael Olk

Cast und Crew

Einweg-Werbematerial.
Rechte bei Constantin Film /
Euro Video.
Regie: Werner Jacobs. Regie-Assistenz: Margrith Spitzer. Drehbuch: Georg Laforet (d.i. Franz Seitz). Kamera: Peter Reimer. Kamera-Assistenz: Fritz Bader. Bauten: Helmut Gasner. Ton: Klaus Eckelt. Kostüme: Ina Stein. Masken: Josef Coesfeld. Schnitt: Gisela Haller. Musik: Rolf Wilhelm. Titelschlager zum Film von Heinz Gietz und Kurt Hertha, erschienen auf Cornet-Schallplatten. Aufnahmeleitung: Friedrich Karl Grund, Thomas Stötzer. Produktionsassistenz: Carla Baumgartner-Zipse. Produktionsleitung: Georg Föcking. Drehzeit: Februar und März 1971. Atelier: München. Außenaufnahmen: Baden-Baden, Amsterdam, München und Umgebung. Produktionsfirma: Franz Seitz-Filmproduktion, München, Hans Domnick-Filmproduktion, Terra Filmkunst GmbH, Berlin. Produzent: Franz Seitz. Erstverleih: Constantin-Film, München. Weltvertrieb: Export Bischoff & Co. GmbH, München. Länge: 2450 Meter. Filmdauer bei Kinoprojektion (24 Einzelbilder pro Sekunde): 90 Minuten. Filmdauer bei Fernsehprojektion (25 Einzelbilder pro Sekunde): 84 Minuten. Format: 35 mm; Farbe (Eastmancolor), 1:1.85. FSK: 17. Mai 1971; 43570; 6 nff. Uraufführung: 27. Mai 1971.

Die Personen und ihre Darsteller:
Direktor Taft: Theo Lingen. Pepe Nietnagel: Hansi Kraus. Pit van Dongen: Heintje. Kurt Nietnagel: Fritz Tillmann. Frau Nietnagel: Carola Höhn. Studienrat Knörz: Rudolf Schündler. Studienrat Blaumeier: Balduin Baas. Studienrätin Knörz: Eva-Maria Meineke. Pedell Bloch: Hans Terofal (d.i. Hans Seitz). Oberstudienrat Geis: Ralf Wolter. Herr van Dongen: Heinz Reincke. Fräulein Schmitz: Monika Dahlberg. Frau Taft: Charlotte Witthauer. Fräulein Dr. Lang: Evelyn Opela. Lydia Meier: Jutta Speidel. Wachtmeister: Franz Muxeneder. Förster: Hugo Leidinger. Herr Vogler: Otto Vogler. 
  • Heintje singt: "Nicht traurig sein", "Wenn ich einmal ein Käpt'n bin", "A happy lad must sing", "Die Blümlein sie schlafen", "Schneeglöckchen im Februar"
Alle Lieder erschienen auf Ariola Schallplatten

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