Freitag, 9. Dezember 2011

Hurra, die Schule brennt!


Die Lümmel von der ersten Bank, Teil 4

Es ist ein Skandal! Dr. Peter Bach, eine hochqualifizierte Lehrkraft, tümpelt in der Zwergschule von Tuttelbach vor sich hin, anstatt am Brennpunkt des erzieherischen Lebens, in einem städtischen Gymnasium, zu wirken. Den Brennpunkt erreicht Bach ziemlich schnell, denn der Abgesandte des Ministeriums entfacht in der Zwergschule einen Brand. Umso besser, denn nun kann Bach flott ans Mommsen-Gymnasium nach Baden Baden versetzt werden. Dort jedoch treffen seine unkonventionellen Unterrichtsmethoden auf wenig Verständnis beim alteingesessenen Lehrpersonal. Intrigen und Missgunst verbreiten sich. Wie gut, dass Bach hier eine junge Verbündete, Fräulein Schumann, hat, die nicht alles so eng sieht wie die musikalischen Zwistigkeiten, die sie und den Pädagogen auf ganz besondere Weise verbinden...

Die Streiche

Der Bleistiftstreich
Als Blaumeier das Klassenzimmer betritt, stellt ihm Nietnagel ein Bein und rechtfertigt sich, er habe nur einen Bleistift aufheben wollen.

Der Wassereimer-Streich
Trotz einer an die Tafel geschriebenen Warnung möchte Blaumeier die Seitenflügel der Tafel öffnen. Dabei entleert sich jedoch durch einen Verbindungsmechanismus ein Wassereimer über seinem Kopf. Pepe kommentiert: "Das kommt davon, wenn man eine Warnung nicht beachtet."

Der blöde-Hunde-Streich
Weil Blaumeier die Schüler als blöde Hunde bezeichnet hat, bringt jeder der Schüler einen Hund in die Schule mit.

Der Thermometer-Streich
In der Zwergschule Tuttelbach steigern die Schüler die Raumtemperatur, indem sie ein brennendes Streichholz an das Thermometer halten. Dr. Bach gibt ihnen daraufhin Hitzefrei.

Der Häkelkleid-Streich
Die "Knörzerowa" trägt wieder einmal ihr Häkelkleid. Es besteht aus je einem laufenden Faden für Vorder- und Rückseite. Nietnagel befestigt in einem unbemerkten Augenblick den Faden an einer Schnur, die mit einem Ventilator verbunden ist. Der Ventilator wickelt nun den Faden der Kleidrückseite auf. Frau Dr. Knörz merkt es erst, als das Kleid bereits bis zu einem pikanten Punkt "Geschichte ist".

Der Flöten-Streich
Nietnagel hat eine Flöte auf den Lehrertisch gelegt. Blaumeier erkundigt sich später, wer es war und Nietnagel antwortet: "Das ist keine Flöte." In der festen Überzeugung, dass es doch eine ist, bläst Blaumeier hinein, ohne etwas von dem Schwarzpulver zu ahnen, mit dem ihr Inneres präpariert wurde...

Der Abführmittelstreich
Als Rache für eine Hausarbeit versetzt Nietnagel die Milch für Knörz und seine Frau mit Abführmittel. In der Schule schließlich spüren die beiden die Wirkung des Mittels und beeilen sich, die Toilette zu erreichen. Was sie nicht wissen: Die Klasse 12a hat das Toilettenpapier höchstselbst mit Juckpulver behandelt.

Der Pupskissen-Streich
Nietnagel steckt sich ein Pupskissen unter die Jacke und macht damit im Unterricht bei Dr. Knörz "unanständige Geräusche". Er und die Klasse geben vor, sie nicht zu hören. Erst als sich Knörz auf seinem Lehrerstuhl niederlässt, unter dessen Kissen ebenfalls ein solches Pupskissen versteckt ist, kann Nietnagel sagen: "Jetzt haben wir das Geräusch auch gehört, Herr Doktor."

Obermedizinalrat Moser
Als wenig zimperlicher Obermedizinalrat Moser verkleidet, besucht Dr. Bach die Schule, um den Lehrkörper auf Herz und Nieren zu prüfen. Dabei lässt er keine Gelegenheit aus, die Steißtrommler zu piesacken. Observiert wird dies von den Lümmeln, die vor dem Fenster eine Leiter zur Beobachtung aufgestellt haben.

Der Parkplatz-Streich
Während des Physikunterrichts, der aufgrund der neuen Praxisstunden auf dem Schulhof stattfindet, schieben Pepe und ein Klassenkamerad den Wagen von Dr. Knörz und seiner Frau vom Hof auf die Straße, direkt ins Parkverbot. Ein Nummernschild montieren sie ab und legen es zu dem auseinandergebauten Versuchsauto der Physikstunde. Als Knörz und Knörzerowa nach Hause fahren wollen, entdecken sie das Schild am demontierten Wagen und sind entsetzt, was Dr. Bach und die Klasse mit ihrem geliebten "Mucki" angestellt haben. Aufgelöst wird die Situation von einem Polizisten, der wegen des Parkverstoßes die Knörz-Familie auf ihr eigentliches Auto aufmerksam macht.

Eine tote Sprache
Nietnagel streift sich vor der Lateinstunde ein Trauerband um den Arm. Als Blaumeier ihn daraufhin anspricht, erwidert der Schüler, dass er Trauer trage, weil er sich mit einer toten Sprache beschäftigen müsse. Blaumeier daraufhin unüberlegt: "Nietnagel, wenn Sie mit mir das Spiel treiben wollen, wer von uns beiden der dümmere ist, dann garantiere ich Ihnen, dass Sie verlieren werden."

Die Klassenarbeit im Lateinischen
Nietnagel hat eine Tonbandaufnahme der Schulklingel angefertigt, die die Stunde der Lateinklassenarbeit zu früh beendet. Die Arbeit muss für ungültig erklärt werden.

Der Flugzeug-Streich
Bei der Einweihung des Flugzeugs "Wilhelm Tell", bei der Direktor Taft und Dr. Bach im Flugzeug sitzend posieren, geschieht ein Missverständnis. Die Maschine hebt allein mit den zwei völlig ungeschulten Passagieren ab. Nach einigen Turbulenzen in der Luft stürzt der Flieger ab, während Taft und Bach mit dem Fallschirm aussteigen und mitten in eine Hochzeitsgesellschaft platzen.

Filmkritik

Szenenfoto aus "Hurra, die Schule brennt!"
Wer hat sich das als Kind nicht mal gewünscht? Die eigene Schule steht in Flammen! Keine Schule! Ferien! Tja, bei den meisten dürfte es wohl bei dieser Fantasie geblieben sein… Ausgeburt dieser Fantasien war schließlich der Gassenhauer "Hurra, die Schule brennt!", vorgetragen von einer Horde Kinder und Peter Alexander im gleichnamigen vierten Teil der "Lümmel"-Filmreihe… Und wenn der Film schon so heißt und auch noch ein solcher Schlager geträllert wird, dann ist es logische Konsequenz, dass der Film auf dem "Abfackeln" einer Bildungseinrichtung aufbaut: Dr. Bach lehrte bis zuletzt an der Dorfschule im malerischen Tuttelbach, bis schließlich ein Vertreter des Ministeriums die Dorfschule durch eine Unachtsamkeit in Brand steckt. Gemeinsam mit seinem Neffen muss er sich nun nach Baden-Baden begeben, um dort am Mommsen-Gymnasium die Klasse 12a zu unterrichten.

Bereits nach wenigen Minuten dürfte auch beim letzten im Publikum der Groschen gefallen sein, dass wir es viel mehr mit einem Musikfilm als einer Komödie in der Tradition vergangener "Lümmel"-Filme zu tun haben. Wie bereits in "Zum Teufel mit der Penne" wurden erneut mit Peter Alexander und Heintje zwei Stars in die Besetzungsliste eines Films dieser Reihe aufgenommen, die gerade durch ihre unbeschwingte Art und ihren glockenklaren Gesang zu jener Zeit beim Publikum gut ankamen. Doch was damals gut ankam, muss nicht zwangsläufig auch das heutige Publikum in enthusiastische Jubelstürme versetzen. Dabei liegt es nicht unbedingt nur daran, dass das musikalische Empfinden der heutigen Generation sich in andere Richtungen entwickelt hat als es noch vor vierzig Jahren der Fall war. Es ist vielmehr als ein elementarer Störfaktor im Erzählfluss des gesamten Filmes anzusehen, dass die Geschichte immer wieder unnötig unterbrochen wird, um Promotion für den Jungstar Heintje und den großen Entertainer Peter Alexander zu betreiben.

Im Gegenzug - wohl um genügend Platz für die Gesangseinlagen der heimlichen Stars dieses Filmes zu schaffen - wurde die humoristische Komponente der "Lümmel"-Reihe wurde im Falle von "Hurra, die Schule brennt!" unerfreulich stiefmütterlich behandelt. Die Frische, die noch in den ersten Filmen der Reihe überwog, scheint gänzlich verflogen zu sein. Selbst die in den restlichen Filmen der Reihe so souverän agierenden Darsteller - ob nun Theo Lingen, Hansi Kraus oder Rudolf Schündler - können nicht mit der Komik überzeugen, der es bedürfte, um den vierten "Lümmel"-Film zu einem noch durchgängig sehenswerten Film zu machen.

Frisch, fromm, fröhlich, frei...
...davon ist bei "Hurra, die Schule brennt!" nicht sonderlich viel übrig geblieben. Steif ist das alles, und die Auflockerungsversuche, die durch die musikalischen Intermezzi unternommen wurden, machen es aus heutiger Sicht sogar noch steifer. Hier wurde das Klassenziel leider nicht erreicht. Setzen!

Gastautor: Michael Olk

Cast und Crew

Einweg-Werbematerial.
Rechte bei Constantin Film /
Euro Video.
Regie: Werner Jacobs. Regie-Assistenz: Margrith Spitzer. Drehbuch: Georg Laforet (d.i. Franz Seitz). Kamera: Hans Jura. Kamera-Assistenz: Adi Gürtner, Norbert Stern. Bauten: Heinz Eickmeyer. Ton: Klaus Eckelt. Kostüme: Ina Stein. Masken: Hans Grosch, Josef Coesfeld, Hedy Polensky. Schnitt: Waltraud Lindenau. Musik: Rolf Wilhelm. Aufnahmeleitung: Christian Lutz Laske, Thomas Stötzer. Produktionsleitung: Georg Föcking. Drehzeit: 19. August bis 02. Oktober 1969. Atelier: Bavaria-Studios, München-Geiselgasteig. Außenaufnahmen: Baden-Baden, Nürtingen, München und Umgebung. Produktionsfirma: Franz Seitz, München und Terra Filmkunst GmbH, Berlin. Produzent: Franz Seitz. Erstverleih: Constantin-Film, München. Weltvertrieb: Export Bischoff & Co. GmbH, München. Länge: 2694 Meter. Filmdauer bei Kinoprojektion (24 Einzelbilder pro Sekunde): 98 Minuten. Filmdauer bei Fernsehprojektion (25 Einzelbilder pro Sekunde): 94 Minuten. Format: 35 mm; Farbe (Eastmancolor), 1:1.66. FSK: 04. Dezember 1969; 41662; 6 nff. Uraufführung (Premiere): 18. Dezember 1969, Lichtburg, Essen. Uraufführung (Massenstart): 19. Dezember 1969. Anmerkung: Der Film wurde für mehr als drei Millionen Besucher mit der Goldenen Leinwand ausgezeichnet.

Die Personen und ihre Darsteller:
Dr. Peter Bach: Peter Alexander. Jan: Heintje. Direktor Taft: Theo Lingen. Pepe Nietnagel: Hansi Kraus. Julia Schumann: Gerlinde Locker. Kurt Nietnagel: Wolfgang Gruner. Studienrat Knörz: Rudolf Schündler. Studienrat Blaumeier: Alexander Golling. Studienrätin Knörz: Ruth Stephan. Pedell Bloch: Hans Terofal (d.i. Hans Seitz). Ministerialdirektor von Schnorr: Werner Finck. Referent: Harald Juhnke. In weiteren Rollen: Lilo Schick, Kristina Nel, Jutta Speidel, Pierre Franckh, Darko Popovtschak, Daniela Delis u.v.a.
  • Peter Alexander singt: "Hurra, die Schule brennt", "Immer wieder", "Wir zwei versteh'n uns gut", "Liebesträume", "Wie Böhmen noch bei Öst'rreich war" 
  • Heintje singt: "Geh deinen Weg", "Klein sein, das ist schön"
Alle Lieder auf Ariola Schallplatten.

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