Freitag, 9. Dezember 2011

Betragen ungenügend!


Die Lümmel von der ersten Bank, Teil 7

Im Mommsen-Gymnasium werden Intrigen gesponnen! Die Übeltäter: Knörz und Blaumeier, die auf höhere Posten in der Schuladministration spekulieren; das Opfer: Direktor Taft, der in letzter Zeit eher von Bestrafungen absieht, als den Schülern mit drakonischen Maßregelungen das Leben vor dem Abitur schwer zu machen. Prompt erhält er einen Brief vom Ministerium, der ihn ab dem Ende des Schuljahres in die Pension schickt. Taft fühlt sich abgeschoben. Von dem jungen französischen Au-Pair-Mädchen Denise, die bei den Tafts zu Besuch ist, erfahren Pepe und Konsorten von diesem Plan und machen den beiden Intriganten das Leben besonders schwer. Während sie Direktor Taft mit angeblicher Blutvergiftung ins Bett schicken, übernehmen Knörz und Blaumeier die Schulleitung - und natürlich sind sie mit dieser Aufgabe völlig überfordert. Als schließlich eine Prüfungskommission des Ministeriums Zeuge des Chaos im Mommsen-Gymnasium wird, beschließt man, Taft doch weitermachen zu lassen. Doch nun will Taft selbst nicht mehr - er möchte sich in Zukunft lediglich auf sein Enkelkind konzentrieren oder ein Buch über seine Lehrtätigkeit schreiben. Bei der Abschiedsfeier des Direktors kommt jedoch alles wieder ganz anders...

Die Streiche

Der "Puppen"-Streich
Die Jungen der 13a sperren in der Pause die Mädchen aus. Als Dr. Knörz zu Stundenbeginn vor dem Klassenzimmer ankommt, sieht er die Schülerinnen stehen. Er fragt sie, warum sie nicht im Klassenraum sind. Sie antworten ihm, dass dort drinnen etwas fürchterliches geschehe. Knörz will davon nichts wissen und öffnet die Tür. Doch rot vor Scham läuft er gleich wieder hinaus, als er gesehen hat, wie sich die Jungen mit halbnackten Frauen vergnügen. Er eilt ins Direktorat, um von diesem empörenden Zwischenfall Rapport zu erstatten. Als Taft ihn in die Klasse begleitet, finden sie das gewohnte Bild vor: Alle sitzen da, als wäre nichts geschehen - und niemand will etwas gesehen haben! Doch der Knörzerich findet unter einer Bank eine aufblasbare Gummipuppe... Schon kann er sich alles erklären!

Der Direktor als Lümmel
In einer Rückblende wird gezeigt, dass auch der ehrenwerte Dr. Taft in seiner Jugendzeit ein waschechter Lümmel war. Zuerst lässt er im Deutschunterricht ein Fenster zu Bruch gehen, dann äfft er seinen Lehrer Heinzerling nach. Und als wäre das noch nicht genug, bringt er es mit einem listigen Trick fertig, eben diesen statt seiner selbst im Karzer die Strafe absitzen zu müssen. Taft junior, der von Ilja Richter gespielt und von Theo Lingen synchronisiert wurde, schafft in diesen Szenen, einen wunderbaren Eindruck des Lausbuben aus "frühen Zeiten" zu vermitteln - Bilder, die man gesehen haben muss.

Der Drehstuhl-Streich
Nachdem die Lümmel einen Drehstuhl im Physikkabinett mit einer elektrischen Vorrichtung ein wenig "frisiert" haben, führt Professor Blaumeier eine Demonstration zum Thema "Drehimpuls" durch. Er setzt sich auf den Stuhl und wird von einer Schülerin angeschubst. Dann setzt Pepe die elektrische Drehverstärkung in Kraft und lässt den Pauker auf dem Stuhl tanzen. Völlig von Schwindelgefühlen benommen, kann er den Unterricht nicht fortsetzen. Pepe konsultiert den Direktor und beschwert sich darüber, dass Blaumeier den Unterricht nicht beendet hat.

Namen vertauschen
Der Name des Streichs sagt eigentlich schon alles. Pepe Nietnagel und Mackie Straub sowie Lydia Meier und Eva Schubert tauschen für die Deutschstunde bei Heidemann ihre Namen. Dieser lässt sich natürlich sofort aus dem Konzept bringen...

Der Restaurant-Streich
Gezwungenermaßen von Au-Pair-Mädchen Denise und Pepe Nietnagel begleitet, wird Dr. Heidemann in ein Sternerestaurant "befördert". Auf der Rechnung werden Schildkrötensuppe, Hummer, Fasan und Champagner stehen - und der arme Lehrer hat nur noch fünfzig Mark in seiner Brieftasche. Natürlich wird von ihm erwartet, dass er das Essen für die beiden jungen Leute bezahlt. Er wird immer nervöser. Doch schließlich gibt er sich vor Nietnagel die Blöße. Der allerdings hat einen viel besseren Plan: Er packt ein Mikroskop aus und tut so, als untersuche er die Lebensmittel. Prompt halten die Gastronomen ihre Gäste für Lebensmittelkontrolleure und wollen sie durch ein Gratis-Essen milde stimmen. Ohne einen Pfennig für die Speisen bezahlt zu haben, verlassen die drei das Restaurant.

Platte mit Filmmusik. Rechte beim Label.
Der Moped-Streich
Auf dem Fahrradausflug der Klasse 13a mit Dr. Knörz tauscht Pepe sein Renn-Moped mit Dr. Knörz' Fahrrad, da diesem die Puste ausgegangen ist. Es ist so hoch frisiert, dass Knörz, sobald er sich darauf setzt, mit Höllentempo losdüst und schlussendlich in einer Schlammpfütze landet.

Der Turn-Streich
Lehrer Heidemann muss Studienrat Pflaum im Turnen vertreten. Doch dies tut er mit mäßigem Erfolg: Gleich in der ersten Stunde - als er etwas an den Ringen vorturnt - wird er von den Lümmeln an denselben nach oben an die Decke gezogen. Von dort kommt er nicht mehr aus eigener Kraft herunter und muss warten, bis seine Hilferufe bemerkt werden. Bloch versucht, ihn zu retten, doch er stellt sich so dumm an, dass schließlich beide an den Ringen hängen. Es müssen nun auch noch Knörz und Blaumeier helfen, die beiden Pechvögel herunterzuholen...

Der Schwarzpulver-Streich
Auf der Lehrertoilette schüttet Pepe Schwarzpulver in die Zigarettenablage neben dem WC. Als Blaumeier dort seine Zigarette ablegt, fliegt er fast in die Luft!

Der Nebelkerzen-Streich
Die 13a schreibt wieder einmal eine Mathearbeit. Vorher hat Pepe jedoch im Keller der Schule Nebelkerzen postiert, die zum gewünschten Zeitpunkt losgehen und einen Brand vortäuschen. Bloch ruft die Feuerwehr - und der Unterricht wird natürlich abgebrochen. Die Arbeit kann nicht beendet und gewertet werden.

Aufruhr im Mommsen-Gymnasium
Pepe und Mackie versperren nachmittags die Türen zu allen Unterrichtsräumen, sodass am Folgetag kein Unterricht möglich ist. Sofort versammeln sich alle Schüler vor dem Direktorat und fordern ordnungsgemäßen Unterricht. Der Zustand nimmt bald "Aufruhr"-artige Zustände an. Knörz, mit der Leitung der Lehranstalt beauftragt, wird mit der Situation nicht fertig. Er ruft die Polizei. Als diese fünf Minuten später eintrifft, verhalten sich die Schüler wie verwandelt: In Viererreihen wandeln sie durch das Schulhaus und singen die "Ode an die Freude". Die Polizei macht Knörz aufgrund von mutwilliger Bemühung der Funkstreife die Hölle heiß.

Der Streich mit den Tieren
Da Knörz die Schüler während ihrer Demonstration als "Tiere" und als "Schweine" bezeichnet hat, erlauben sich die Lümmel noch einen finalen Streich. Des Nachts schmuggeln sie massenweise Kühe, Gänse, Hühner, Schafe, Esel und Schweine in die Schule. Am Tag danach ist Knörz mit der chaotischen Situation einmal mehr völlig überfordert. Zu allem Überfluss ist eben an diesem Tag eine Überprüfung der Schule durch das Ministerium angeordnet. Als die Beamten die Schule inspizieren, sind sie über die Zustände entsetzt. Sie entheben Knörz des Direktorenamtes und bitten Taft, seine Profession wieder aufzunehmen.

Der Direx-"Streich"
Bei der Verabschiedungsfeier Tafts ertönt statt Brahms Liedern eine musikalische Aufforderung an den Ex-Direx: "Wir wollen unser'n alten, netten Direx wiederhaben!" Gerührt beschließt Taft, doch seine Tätigkeit als Direktor fortzusetzen.

Filmkritik

Zum Abschluss der legendären Film-Reihe "Die Lümmel von der ersten Bank" wartet Drehbuchautor Georg Laforet noch einmal mit einem Feuerwerk des deutschen 1970er-Jahre-Quatschs und zugleich mit einigen überraschenden charakterlichen Entwicklungen auf...

Blaumeier und Knörz begehen die "Meuterei auf der Mommsen": Nachdem Oberstudiendirektor Taft immer häufiger bei den Streichen der 13a ein Auge zudrückt, machen die beiden beim Ministerium Meldung über die lasche Arbeitseinstellung Tafts. Und dieser bekommt postwendend die Ankündigung gemacht, dass er zum Schuljahresende seinen Platz als Direktor des Mommsen-Gymnasiums räumen muss.

Hansi Kraus in "Betragen ungenügend!"
Nicht nur die beiden ehemals von mir als Sympathieträger gefeierten Blaumeier und Knörz begehen mit ihrer Verschwörung eine enorme Charakterwandlung, sondern auch Oberstudiendirektor Taft zeigt in "Betragen ungenügend!" eine neue, ungeahnte Facette. Der heute so seriöse Direktor war früher selbst ein Lausbub der allerhöchsten Kategorie und das macht Lingen in seiner Rolle noch sympathischer als er ohnehin schon war. Den jungen Taft mimt in einem äußerst amüsanten Rückblick der junge Ilja Richter, der vor allen Dingen durch seine frappierende Ähnlichkeit zu Theo Lingen überzeugen kann. Dieser Rückblick in die Schulzeit Tafts liefert dann auch die Erklärung für das sanftmütige Verhalten des Direktors gegenüber der 13a und bildet zugleich den Auftakt für das Wiederaufleben des Lümmels in Taft. Denn als Pepe und seine Klassenkameraden Wind von dem Komplott gegen den Direx bekommen, stellen sie ihre Streiche unter das Motto "Rache für Taft": Und schon jagt ein Jux den anderen; immer mit der freundlichen Unterstützung des Direktors, denn schließlich geht es darum, den intriganten Kollegen das Handwerk zu legen.

Man merkt von Beginn an, dass in diese finale Episode der kurz vor dem Abitur stehenden Lümmel von der ersten Bank viel Herz und Leidenschaft gesteckt wurde, die Streiche überbieten sich in ihrer Originalität immer wieder aufs Neue und auch der gesamten Besetzung merkt man an, dass man bei "Betragen ungenügend!" wieder mit viel Spaß bei der Sache war.

Balduin Baas, Hansi Kraus und Rudolf Schündler in "Betragen ungenügend!"
Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob "Betragen ungenügend!" von vornherein als Abschluss der Reihe vorgesehen war. Das doch recht offene Ende lässt jedenfalls vermuten, dass man sich die Option auf einen achten Teil jederzeit offen halten wollte. Glücklicherweise wurde die Option auf einen achten Teil nie gezogen, denn der siebte und somit tatsächlich letzte Teil der "Lümmel von der ersten Bank" stellt einen schönen, runden Abschluss dar, der noch einmal nahezu an die Qualitäten des ersten Teils heranreichen kann.
Frisch, fromm, fröhlich, frei,
aber auch mit ein wenig Wehmut verabschiede ich mich nun von einer der amüsantesten Film-Reihen der deutschen Filmgeschichte. Schön war's und es wird auch immer wieder schön sein, wenn ich dann mal wieder an einem herbstlichen Sonntagnachmittag im Kreise meiner Liebsten auf der Couch liegen, Hansi Kraus als Pepe Nietnagel und Theo Lingen als Oberstudiendirektor Taft anschauen und in Erinnerungen schwelgen darf...

Gastautor: Michael Olk

Cast und Crew

Einweg-Werbematerial.
Rechte bei Constantin Film /
Euro Video.
Regie: Franz-Josef Gottlieb. Regie-Assistenz: Ulrich Strobel. Drehbuch: Georg Laforet (d.i. Franz Seitz). Kamera: Peter Reimer. Kamera-Assistenz: Fritz Bader. Bauten: Max Mellin. Ton: Klaus Eckelt. Kostüme: Ina Stein. Masken: Josef Coesfeld, Sylvia Kramer. Schnitt: Gisela Haller. Musik: Rolf Wilhelm. Lied "Ja, mir san mit'm Radl da" von W. Lind und P. Ciri, erschienen im Carrera Musikverlag. Aufnahmeleitung: Rudolf Geiger. Produktionsassistenz: Carla Baumgartner-Zipse. Produktionsleitung: Georg Föcking. Drehzeit: 21. März bis 26. April 1972. Atelier: München. Außenaufnahmen: München, Baden-Baden. Produktionsfirma: Franz Seitz, München, Planet-Film, Berlin, Terra-Filmkunst GmbH, Berlin. Produzent: Franz Seitz. Erstverleih: Constantin-Film, München. Weltvertrieb: Export Bischoff & Co. GmbH, München. Länge: 2612 Meter. Filmdauer bei Kinoprojektion (24 Einzelbilder pro Sekunde): 95 Minuten. Filmdauer bei Fernsehprojektion (25 Einzelbilder pro Sekunde): 92 Minuten. Format: 35 mm; Farbe (Eastmancolor), 1:1.66. FSK: 21. Juni 1972; 44742; 6 nff. Uraufführung (Massenstart): 7. Juli 1972.

Die Personen und ihre Darsteller:
Direktor Taft: Theo Lingen. Pepe Nietnagel: Hansi Kraus. Denise: Renate Roland. Dr. Heidemann: Ernst H. Hilbich. Studienrat Knörz: Rudolf Schündler. Studienrat Blaumeier: Balduin Baas. Helena: Evelyn Opela. Pedell Bloch: Hans Terofal (d.i. Hans Seitz). Taft junior: Ilja Richter. Professor Heinzerling: Hans Korte. Dr. Kersten: Ernst Stankovski. Frau Taft: Charlotte Witthauer. Fräulein Weidt: Monika Dahlberg. Lydia: Anita Mally. Eva: Brigitte Künneth. Frau Blaumeise: Lilo Schick. Oberstudiendirektor Müller: Bruno W. Pantel. In weiteren Rollen: Oliver Hassencamp u.v.a.

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